Inklusion im Schulvorbereitungstraining

Inklusion im Schulvorbereitungstraining:

Im Februar 2011 wurden in die Donnerstagsgruppe des Schulvorbereitungstrainings, die bis dahin von acht hörgeschädigten Kindern besucht wurde, erstmals zwei normalhörende Kinder aufgenommen. Von Februar bis Juli 2011 bereiteten sich diese zehn Kinder gemeinsam auf den bevorstehenden Schulstart vor. Durch die Aufnahme der Normalhörenden ergaben sich dabei für alle Vorschüler viele neue Lernmöglichkeiten:              

Die Vorschüler lernten, dass Kommunikation nur gelingt, wenn sie ihre kommunikativen Bedürfnisse ihren Mitschülern gegenüber äußern und sich auf ihren Kommunikationspartner einstellen. Es zeigte sich, dass es Bedürfnisse gibt, die sowohl von Hörgeschädigten als auch von Normalhörenden geäußert werden, zum Beispiel:

-                       „Bitte sprich etwas lauter!“

-                      „Ich habe dich nicht verstanden. Bitte sag das noch einmal!“

Die hörgeschädigten Kinder wurden sich aber auch ihrer besonderen kommunikativen Bedürfnisse bewusst und erlebten, dass darauf Rücksicht genommen wurde, zum Beispiel:    

      -   „Bitte schau mich beim Sprechen an! Ich möchte deinen Mund sehen.“

-     „Bitte sprich laut und deutlich!“

-     „Es soll bitte nur einer sprechen, nicht mehrere durcheinander!“

Nicht nur im Unterricht, sondern auch in den Pausen war zu beobachten, dass  die Vorschüler ihre Kommunikation thematisierten. So sagte ein hörgeschädigter Vorschüler, der mit seinen Spielpartnern Absprachen für ein neues Spiel traf und von einem normalhörenden Kind angesprochen wurde: „Warte! Wir besprechen gerade etwas.“

Gemeinsam lernten hörgeschädigte und normalhörende Kinder den Aufbau und die Funktion des Hörorgans sowie verschiedener hörtechnischer Hilfen (Hörgeräte, CI und FM-Anlage) in einfacher Form zu verstehen. Dabei brachten die hörgeschädigten Kinder ihr Vorwissen und ihre Erfahrungen mit der eigenen Hörschädigung und Hörtechnik ein. Die Kinder lernten unterschiedliche Hörsituationen (von Normalhörigkeit über ein- oder beidohrige leicht- bis mittelgradige und hochgradige Schwerhörigkeit) und deren Auswirkungen auf Sprache und Verhalten kennen und zu akzeptieren. Alle Kinder lernten zu warten, bis die Hörtechnik für alle Gruppenmitglieder installiert war und individuelle technische Probleme behoben waren. Sie lernten das Mikrofon der FM-Anlage im Gruppengespräch zu benutzen und an den nächsten Sprecher weiterzugeben. Sie erlebten, dass das Einhalten von erarbeiteten und über individuelle Zielkarten geübte Gesprächsregeln (z.B. „Ich melde mich und rede nicht dazwischen.“ oder „Ich schaue meinen Partner beim Sprechen und Zuhören an.“) für alle wichtig ist, um einander zu verstehen.

Die Inklusion im Schulvorbereitungstraining wird aufgrund der oben genannten guten Erfahrungen fortgesetzt.